Wie ist es um die Nachhaltigkeit in den einzelnen europäischen Ländern bestellt? Welche Länder bevorzugen regionale Lebensmittel oder Bio-Lebensmittel? Jeden Montag wird sich überLand ein europäisches Land genauer ansehen und Antworten auf diese Fragen suchen. Heute beginne ich mit einem Land, das wir unter anderem als Urlaubsland sehr schätzen: Bella Italia ist nicht nur der Inbegriff von hoher Kultur und traumhaften Renaissancestädten, sondern hat sich zu einem wahren Musterschüler – was die Produktion von regionalen Lebensmitteln oder Bio-Lebensmitteln betrifft – gemausert.
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Ein Hühner-Sheraton
Dieser Hühnerstall übertrifft alles bisher Gesehene. Mehr noch: Er ist ein architektonisches Highlight. Das Projekt „Chicken Chapel“, entstand im Juni dieses Jahres innerhalb des Workshops von „Studio North“ zum Thema „Originelles Design durch kleine ländliche Interventionen“. Fünf Studenten entwarfen gemeinsam mit den Moskow Linn Architekten aus Boston, Keith Moskow und Robert Linn, dieses sehenswerte Low-Budget-Projekt. Der Stall ist aus Fiberglas-Paneelen und Holz gefertigt, vom Boden abgehoben, um an heißen Tagen eine bessere Luftzirkulation zu ermöglichen sowie Raubtieren den Zugang zu erschweren. Die Seitenteile sind mit horizontal gelegten Ahorn-Teilen verkleidet, um die Hühner vor zu starkem Sonneneinfall zu schützen. Im Inneren befindet sich der eiförmige Nistkasten, der – vielleicht – durch seine Form anregend auf die Hühner wirkt.
Und was das Schönste an dieser nachhaltigen Luxusherberge ist? Sie gibt Raum und ausreichendes Platzangebot für „glückliche Hühner“, die Tageslicht genießen und ein- und ausmarschieren können, wann immer es ihnen gefällt. Da kommt das Eierlegen ganz von allein.
Weitere Informationen: Moskow Linn Architekten
Informationen zum Workshop: Studio North
Photos: Studio North / Moskow Linn Architects
Guerilla Gardening im Vormarsch
Urban Farming boomt. In Städten wie Paris, London, Berlin, Zürich und auch Wien treten die urbanen Landwirtschaften in der Stadt in unterschiedlichsten Erscheinungsformen auf. Da gibt es Gärten auf Brachflächen, die in erster Linie der Produktion regionaler Lebensmittel dienen, oder Gemeinschaftsgärten, in denen das soziale Miteinander ganz wichtig ist oder Grünflächen, auf denen Kinder spielerisch ihre ersten Pflanzversuche starten.
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Holadaittijo
Landwirte und Stadtbauern machen mit ihr eine gute Figur. Mit einer Lederhos’n ist der Bauer richtig gekleidet. Sollte das dem einen oder anderen doch zu traditionell erscheinen, der hat die Möglichkeit, nur sein wertvolles Stück darin zu verpacken. Die Lederhos’n für den Laptop macht es möglich: Sie hat süße kleine Knöpfe, echte Hosenträger und wurde aus Qualitätsleder gefertigt. Die zünftige Verpackung hat auch Taschen, wo sich Zubehör verstauen lässt. Damit die Mädels nicht leer ausgehen, gibt es die Hüllen in zwei Ausführungen: Heidi mit rosa Hemd für die (Stadt)Bäuerin und Peter im blauen Hemd für den (Stadt)Bauern. Um den Preis, das dieses gute Stück kostet, ist allerdings kein Jodelkurs enthalten.
Bezugsquelle: www.coverbee.de
Regionale Lebensmittel in der Stadt
Wie kann ökologische Landwirtschaft in der Stadt funktionieren? Welche Freiräume bedarf es, um regionale Lebensmittel anbauen zu können? Wie müssen Häuser, Straßen und Plätze geplant werden, damit gesundes Essen in der Stadt gute Voraussetzung zum Wachsen findet? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Wanderausstellung „Die Produktive Stadt/Carrot City“, die 2009 an der Ryerson Universität in Toronto initiiert wurde. Die Ausstellung ist bereits viel gereist: Nach Stationen in New York City, Montreal und Casablanca ist sie ab 30. September in Berlin zu sehen, danach in München.
Regionale Lebensmittel im städtischen Raum, in der Gemeinschaft, am Gebäude, auf dem Dach – diese Bereiche thematisiert „Die Produktive Stadt/Carrot City“, die von Mark Gorgolewski, June Komisar und Joe Nasr kuratiert wurde. Die Schau richtet sich an Architekten und Städteplaner ebenso wie an Stadtbauern oder UrbanFarmer. Und an alle, die sich für zukünftige Entwicklungen der Stadt interessieren und für die Möglichkeiten der urbanen Landwirtschaft.
Bleibt zu hoffen, dass die Ausstellung nach ihrem Deutschland-Aufenthalt den Weg nach Wien und Zürich ebenso findet. Denn auch in diesen beiden Städten ist urbane Landwirtschaft immer mehr im Kommen, wie auf so manchem Blog-Eintrag von überLand nachzulesen ist. Der Anbau regionaler Lebensmittel ist längst zu einem Stadtthema geworden; und zeigt sich in unterschiedlichsten Formen: Vom Gemeinschaftsgarten bis hin zum Guerilla Gardening spannt sich der Bogen. Guerilla Gardening verkörpert was Verbotenes. Wohin sich die Guerilla Gardener entwickelten, wie weit ihre Aktionen reichen – mit diesen Themen beschäftigt sich in kurzer Zeit ein eigener Blog-Eintrag auf überLand. Stay tuned.
Weitere Informationen zur Ausstellung: www.carrotcity.org
Termine:
30. September 2011, 18.30 Uhr: Ausstellungseröffnung und Symposium, Architekturmuseum, TU Berlin, Straße des 17. Juni 150, UG
8. November 2011, 18.00 Uhr: Ausstellungseröffnung und Symposium,
Immatrikulationshalle, TU München, Arcisstraße 21, EG
Photo: Eagle Street Rooftop Farms at the East River, Greenpoint, Brooklyn; fotografiert von Joe Nasr
Zur Ausstellung erscheint das gleichnamige Buch:
Carrot City
Creating Places for Urban Agriculture
Mark Gorgolewski, June Komisar, Joe Nasr
Verlag: The Monacelli Press
ISBN-10: 1580933114
ISBN-13: 978-1580933117
Wann ist ein Lebensmittel regional?
In Deutschland sorgten die erst publizierten Ergebnisse der Zeitschrift Öko-Test zum Thema „Regionale Lebensmittel“ für Wirbel. Getestet wurden 53 Produkte mit regionalem Bezug, doch nur 14 wurden als „echte regionale Lebensmittel“ eingestuft. So gibt es eben noch keinen Bananen-Nektar aus Bayern oder einen Apfelessig mit Mango in Baden-Württemberg. Die Testergebnisse zeigten, Mehr lesen
Ein Aussteiger geht in die Landwirtschaft
Ich warte auf Hans Pfaller vor den Schweineställen. Sie sind in einer leichten Holzbaukonstruktion gefertigt, ihr vorgelagert die großzügigen Freiraum-Bereiche. Alles hat er selbst gemacht, wie er mir später erzählen wird. Die Schweine sausen von innen nach außen und machen einen verdammt aufgeweckten Eindruck. Bis Pfaller kommt, nütze ich die Zeit zum Schweine-Shooting, meine Models sind von Natur aus so neugierig, dass sie mir mit geradem Blick direkt in die Kamera blicken. Da kommt bei einem Hobby-Fotografen Freude auf.
Endlich ist mein Gesprächspartner gekommen. Er erzählt mir, wie alles hier begann. Von der Zeit als er noch einen sicheren Job als Beamter hat.
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Alte Rassen suchen Bauer
Wenn Sie als ökologischer Landwirt oder Bio-Landwirt auf der Suche nach geeigneten Bauernhoftieren sind, dann könnte die folgende Veranstaltung spannend für Sie sein. Auf der Gästeliste haben sich interessante Persönlichkeiten eingetragen: Die dunkle Biene wird da sein, das Appenzeller Spitzhaubenhuhn und das Wollschwein ebenso, auch das Rätische Grauvieh sowie 22 weitere seltene Nutztierrassen nehmen an einer Schau der besonderen Art teil. Am 1. und 2. Oktober veranstaltet die ProSpecieRara eine Tier-Expo, die das Interesse an seltenen Tierrassen fördert.
Die Erhaltung alter Nutztierrassen hat nichts mit Liebhaberei zu tun, sondern ist notwendig, um einen großen Pool an Rassen und damit an genetischen Informationen zu erhalten. Das 1982 gegründete ProSpecieRara, eine Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, macht mit seinen Initiativen auf das Aussterben von Nutztierrassen aufmerksam. Allein in der Schweiz existieren heute nur mehr 20 Prozent von 151 bekannten Pferde-, Rinder-, Schweine-, Schaf- und Ziegenrassen. Der weltweite Trend sieht noch ärger aus: pro Monat stirbt eine Nutztierrasse aus. Damit es nicht soweit kommt, holt die Tier-Expo die seltenen Rassen vor den Vorhang und ermöglicht ein erstes Kennenlernen.
Schon in den 1980er Jahren konnten durch die Initiative von ProSpecieRara z. B. die Stiefelgeissen gerettet und eine Population mit Hilfe beteiligter Landwirte aufgebaut werden. Hin und wieder taucht auch eine vermeintlich ausgestorbene Rasse wieder auf, wie vor 5 Jahren die Kupferhalsziege.
In Österreich setzt sich die Arche Austria, der Verein zur Erhaltung seltener Nutztierrassen, für gefährdete Bauernhoftiere ein. Am 28. und 29. September findet ein Informationsseminar über Vermarktung und Vermarktungschancen seltener Rassen statt. In Deutschland informiert die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen, GEH. Unter den zahlreichen Veranstaltungen ist am 2. Oktober, der Tag der alten Haustierrassen im Oberpfälzer Freilandmuseum hervor zu heben.
„Noch vor 40 Jahren hätte niemand geglaubt, dass einst eine Ziege gefragt sein könnte, die zwar nicht so viel Milch und Fleisch gibt, aber dafür sehr extensiv gehalten werden kann“, so Philippe Ammann von ProSpecieRara. Heute, wo viele Betriebe im Nebenerwerb laufen, wo Almen dennoch abgeweidet werden müssen, ist eine Ziege wie die Stiefelgeiss z. B. wieder sehr beliebt geworden.
Gerade in Zeiten, in denen die Gentechnik die Landwirtschaft in vielen Teilen der Welt in den Würgegriff zu nehmen droht, in denen einzig hohe Produktionszahlen den bäuerlichen Alltag bestimmen, ist ein Gegentrend wie die Erhaltung der Pflanzen- und Tiervielfalt unerlässlich.
Mehr Informationen zur Tier-Expo auf ProSpecieRara, die von 1. bis 2. Oktober 2011 stattfindet.
Ort: Vianco-Arena, 5505 Brunegg
Photo (1): Appenzeller Spitzhaube; ProSpecieRara
Ein Besuch beim Stadtimker in Zürich
Zürich, Anfang September, die letzten heissen Sommertage sind vorüber. Bald verlieren die Laubbäume ihr sommerliches Grün. Abends frischt es auf und die Luft riecht unverkennbar nach Herbst. Stadtbauern und glückliche Gartenbesitzer kommen in den Genuss ihrer Arbeit. Schwer und rot hängen die Tomaten an den Stauden. Kürbisse blähen sich wie orange Vollmonde oder grüne Zeppeline. Nach den Himbeeren kommt jetzt die Zeit der Brombeeren: schwarz und reif locken sie in den dornigen Ranken. Karotten, Kartoffeln und Kohlrabi strecken ihr grünes Kraut in die Höhe: sie wollen raus aus der Erde. Es ist der Anfang der Erntezeit. Unscheinbar nehmen sich in diesem Fest der Farben und Düfte die Stadtimker aus.
Wie bitte? Stadtimker?
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Biene sticht Goliath
Bienen sind als friedliebende Tierchen bekannt. Hin und wieder zeigen sie aber ihren Stachel und stechen zu. So geschehen vor wenigen Tagen. Gentechnik-Gigant Monsanto hat den Stachel in Form des Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 6. September zu spüren bekommen. Danach darf Honig keine Zutaten enthalten, die aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wurden, wenn diese in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen sind. Dazu zählt der verunreinigte Pollen, der im Honig des klagenden Imkers gefunden wurde. Mit diesem Richterspruch müsse kein Imker mehr in dem von ihm produzierten Honig Gentech-Pollen und kein Verbraucher gentechnisch verunreinigten Honig akzeptieren. „Das Urteil stärkt die Position von Imkern und Konsumenten, die sich nicht der Wirtschaftsmacht internationaler Saatgutkonzerne beugen“, so der Bioland-Präsident Jan Plagge. Mit dem Urteil haben Imker nun einen Anspruch auf Entschädigung, wenn ihr Honig mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt ist.
Und das ist mehr als begrüßenswert, waren doch in der letzten Zeit die Imker und Bauern die blöden. Sie wurden zur Kassa gebeten, wenn sich gentechnisch veränderte Organismen im Honig, in ihren Produkten fanden oder auf ihren Feldern verbreiteten. Das wohl bekannteste Beispiel ist der kanadische Landwirt Percy Schmeiser. Auf seinen eigenen Rapsfeldern wuchs gentechnisch veränderter und patentierter Raps von Monsanto, der von Schmeiser nicht selbst ausgesät wurde. Schmeiser nutzte diese gentechnisch veränderten Pflanzen für die Wiederaussaat. Deswegen wurde er von Monsanto wegen Patentverletzung verklagt. Für seinen Widerstand gegen Monsanto und die Grüne Gentechnik wurde Schmeiser 2007 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
Ob der Richterspruch des EuGHs vom 6. September bedeutet, dass künftig viele Importhonige mit nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen aus den Regalen der europäischen Lebensmittelmärkte verschwinden werden, wird die Zukunft zeigen. Eines kam mit dem Urteil aber klar rüber: Auch gegen Monsanto ist ein Kraut gewachsen.
Der Imker Timo Bablok entfernt Bienenvölker wegen den Anbau von Genmais in der Nachbarschaft
Photo: Timo Bablok

